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Lernen bis der Arzt kommt

15. Apr 2017 | Niemand mag Streber

Als ich noch in die Grundschule ging, war ich an fast jedem Wochenende bei meinen Großeltern zu besuch. Ich liebte die Natur, die Freiheit, und genoß das große Vertrauen beider, wenn ich mal wieder allein auf Streifzüge durch den Wald gehen wollte. In den Wintermonaten war ich bevorzugt im Haus zu Gange, da der Schnee in unserer Region kaum länger als zwei, drei Tage lag bevor wieder eine matschige Pampe auf den Straßen und Wiesen zurück blieb. Ich bin also nie zum riesen Winterfan geworden, aber umso mehr Zeit hatte ich, um mich mit meinen Berufswünschen auseinanderzusetzen.

Laut Erzählungen meiner Oma begann ich sehr früh, mir die großen weißen Hemden meines Opas aus dem Kleiderschrank zu stibitzen. In meinem sehr überzeugenden Arztkittel, konnte ich mich endlich als Heilkünstler fühlen. Ich verarztete so ziemlich alles, was mir in die Quere kam, aber da sich binnen kurzer Zeit nur noch wenige bis keine „Patienten“ mehr finden ließen, an denen ich mit meinen Spritzen herumhantieren durfte, mussten am Ende Omas Rosen dafür herhalten. Nachdem ich ans Gymnasium gewechselt war und mein Numerus Clausus nicht für die Immatrikulation in ein Medizinstudium reichte, hängte ich meinen Traumberuf an den Nagel.

Einige Jahre und eine Weltreise später, keimte der Wunsch nach einem Medizinstudium wieder auf. Ich suchte nach Möglichkeiten, wenigstens kurzweilig in dieses Berufsfeld Einblick zu bekommen und fragte mich:

„So ein Vorsemester- Ist das was für mich?“

Heute weiß ich, dass es die beste Entscheidung für mich war. In den vergangenen vier Monaten erhielt ich nicht nur einen ersten Einblick in alle Fächer, die im Studium relevant sind. Zusätzlich wurden auch meine Grundlagen in Mathematik, Biologie, Chemie sowie Physik aufgefrischt und vertieft. Durch die umfangreichen Unterrichtsmaterialien gleichwie den vielen praktischen Übungen fühle ich mich mittlerweile ausgesprochen gut auf ein Medizinstudium vorbereitet.

In der letzten Zeit habe ich viele eMails erhalten, in denen ich gefragt wurde, warum ich das Vorsemester absolviere, wo ich doch genug Wartesemester gesammelt hatte. Aber das Propädeutikum ist nicht nur für Leute gedacht, die „schon immer“ wussten, dass Sie Arzt werden wollen. Die Vorbereitungszeit bietet neben den vielen Lerninhalten auch eine fantastische Gelegenheit, sich mit der Medizin tiefer zu beschäftigen und für sich herauszufinden, ob man den Traumberuf Arzt mit ganzem Herzblut ausführen kann oder doch nur die Träume der anderen Leute leben möchte. Ich habe mich mit meinen Mitschülern über dieses Thema unterhalten und für die meisten ist nach dieser intensiven Zeit mehr als je zuvor klar, dass die Medizin der einzig wahre Weg für sie ist. Andere wiederum empfanden die Zeit bei IFS zwar als sehr aufschlussreich, haben jedoch insgeheim schon begonnen, anderweitige Karriereleitern zu erklimmen. Am Ende bereut Keiner hier gewesen zu sein, denn die Erfahrungen, die wir zusammen machen durften, hat uns mehrere Erkenntnisse reicher gemacht, die uns Niemand mehr nehmen kann.

Punkt, Punkt, Komma, Stich

Eine dieser tollen Seminare war zum Thema Blut abnahmen. Hierfür wurde extra eine Gastlehrerin engagiert, um uns den Umgang mit Stauband und Spritze beizubringen. Unsere heutige Dozentin war selbst Ärztin und hat uns daher sehr ruhig und routiniert erklärt, wie der Prozess des Blutabnehmens durchzuführen ist.

Meine Finger kribbelten vor Aufregung, als ich den sehr menschlich wirkenden Arm erspähte. Anscheinend war ich mit meiner Vorfreude nicht allein, denn so wie die Trockenübungen vorbei waren, versammelten wir uns schnurstracks um den Lehrertisch herum und bildeten eine Warteschlange. Nun müsste man denken, dass die Warterei die Geduld ins unermessliche strapazierte, aber dem war ganz und gar nicht so. Ganz im Gegenteil: Während ein Mitschüler sich am Arm versuchte, hatte man Zeit noch einmal jeden Schritt im Kopf Revue passieren zu lassen und einzuprägen. Obwohl es sich nur um einen Kunstarm handelte, und man kein Wehklagen von ihm erwarten konnte, waren doch alle Teilnehmer, vom eigenen Ehrgeiz so sehr gepackt und verpicht darauf, ein bestmögliches und perfektes Ergebnis abzuliefern.

Als ich endlich an der Reihe war, wuchs meine Anspannung so sehr, dass ich beim ersten Blut abnehmen das Lösen des Venenstauers vergessen hatte. Bin ich froh gewesen, dass der Kunstarm so geduldig meine ersten unbeholfenen Stiche verzieh, sonst wäre im Klassenraum wohl ein kleines Blutbad passiert. Beim zweiten Mal lief dann alles wie am Schnürchen und ich war verdammt stolz, zwar langsam aber sehr gute Ergebnisse abliefern zu können.

Verflixt und zugenäht!

Natürlich gehört zum Arzt werden nicht nur ein kleiner Wunschgedanke, sondern viel mehr ein erster Schritt in Richtung Medizin. Ich bereue keinen Tag, dass ich meinen Weg begonnen habe mit dem Propädeutikum. Als ich im letzten Jahr vom Informationsabend kam, malte ich mir die tollsten Dinge aus, die ich am Ende des Seminars gelernt haben werde. Aber rückblickend waren es viel mehr praktische Erfahrungen, als ich mir vorzustellen wagte. Wir haben ein Herz und eine Lunge seziert, den Umgang mit dem Stethoskop und der Spritze gelernt.

Nicht zu vergessen die Auswertung von Schnelltests zum Ermitteln der Blutgruppe und das Nähen von Wunden.

Eine Investition in die Zukunft

Wir wurden gelehrt, gefordert und durch zusätzliche Hausaufgaben bestens auf den Einstieg in neue Unterrichtsabschnitte vorbereitet. Aber neben all der Theorie und Praxisstunden, möchte ich Euch einen weiteren Teilaspekt nicht vorenthalten, der sich mir von vornherein nicht gleich erschlossen hat. Da der Unterricht teilweise von Studenten aus dem UKE gegeben wird, lassen sich vorteilhafte Brücken bauen. Von den Dozenten darf man eine Vielzahl von Tipps erwarten: Die Auswahl der richtigen Fachliteratur für die Vorklinik und Prüfungsvorbereitung oder worauf Professoren der jeweiligen Standorte -in meinem Fall Hamburg- in der mündlichen Prüfungssituation wert legen.

Ein Tipp für alle, die gern aus erster Hand wissen möchten, was sie von Ihrer Wunschuni erwarten können. Einblicke ins Studium erhaltet ihr beispielsweise hinsichtlich der Kommilitonen, Mensa, Gebäude und natürlich auch zur Unterrichtsführung. Es schadet generell nie, die Antennen weit auszufahren. Aber das Lernen und Pauken erspart es euch natürlich nicht!

Wer also glaubt, dass man das Propädeutikum ohne persönlichen Einsatz als eine Art Ersatz für die Schwimmgruppe am Samstag nebenher mal eben besuchen kann und anschließend einen nahtlosen Einstieg ins Studium hat, wird herb enttäuscht werden. Wer allerdings sein Ziel verfolgt, am Ball bleibt und Einsatz zeigt, der gewinnt einen schnelleren und einfacheren Start und die anspruchsvolle Zeit des Medizinstudiums. Ich für mein Teil bin froh, dass ich mich für diesen Schritt entschieden habe.

Ich wünsche jedem angehenden Medizinstudenten viel Erfolg bei der Vorbereitung des Medizinertests beziehungsweise im späteren Studium!

Bis bald,

 

Eure Nele

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